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Einführung zur Angst
Angst- und Panikattacken, das bekommen wir in den letzten Jahren verstärkt zu hören.
Was aber ist das eigentlich - Angst - Panik?
Wenn ich im Folgendem von Angst spreche, ist damit auch die Panik mit gemeint.
Angst ist nichts gefährliches. Das Angstgefühl ist jedem Menschen angeboren und eine ganz natürliche und nützliche Reaktion. Das Angstgefühl hat eigentlich nur eine einzige Aufgabe. Es soll uns schützen und behüten. Die Angst wird vom Unterbewusstsein gesteuert und somit, in gewisser Hinsicht, auch von uns selbst, da wir die Möglichkeit haben, über unser Denken und den Glauben an eine Sache, dem Unterbewusstsein Befehle zu erteilen.
Das was wir den ganzen Tag denken und fühlen, werden wir erleben. Nicht das was wir uns mit ein, zwei Gedanken wünschen.
Der Angstpatient lebt eigentlich nach dem letzten Satz und wundert sich letztendlich, warum ständig diese Panikattacken kommen. Der entscheidende Fehler des Phobieisten liegt darin, dass er den ganzen Tag an fast nichts anderes Denkt als an seine Angst. Er kann vor ihr nicht weglaufen, sie kann einem an jedem Ort, zu jeder Zeit ereilen. Ständig ist man bemüht, den angstauslösenden Situationen aus dem Wege zu gehen. Immerzu lauscht man in sich hinein, ob die Angst in Anmarsch ist. Schlicht, die Gedanken kreisen um alles was mit “Angst” zu tun hat. Das schlimmste an dieser Situation ist es, dass es dem Betroffenen gar nicht mehr bewusst wird, womit sich seine Gedanken beschäftigen. Diese Art zu denken ist einem zur Gewohnheit geworden und läuft bereits im Unterbewusstsein ab. Sie können das ganze mit dem Atmen vergleichen. Sie wissen, dass Sie atmen aber es ist Ihnen nicht “bewusst”, da das “Unterbewusstsein” diesen Ablauf steuert. Erst wenn Sie sich Ihre Atmung ins Bewusstsein holen, also gezielt daran denken, spüren Sie den Atem und können z.B. die Atemfrequenz steuern.
Die Gedanken sind es, die letztendlich eine Attacke auslösen. Der Angstpatient hat die Kontrolle über seine Gedanken verloren und die muss er wieder bekommen. Auf einigen Homepages konnte ich immer wieder lesen, dass der beste Trick “Ablenkung” ist wenn man seine Panik bewältigen will. Sicher ist es für den Moment eine brauchbare Lösung, wenn Sie Ihre Gedanken gezielt auf etwas anderes lenken. Aber es kann niemals eine Dauerlösung sein. Denn wer sich mit Ablenkung beschäftigt, der bewältigt damit sein Problem nicht. Nur wer sich gezielt mit seinem Problem befasst, kann es auch bewältigen.
Versuchen Sie es ruhig einmal mit Ablenkung. Stellen Sie sich z.B. eine Rechenaufgabe oder zählen Sie etwas zusammen usw. Sie werden feststellen, dass es nicht so einfach ist sich abzulenken. Ihre Gedanken werden automatisch zur Angst zurück kehren. Erst wenn Sie dieses “Erste-Hilfe-Programm” oft genug angewendet haben, wird es Ihnen gelingen sich damit abzulenken. Sie müssen es nämlich erst lernen, sich nur auf die gestellte Aufgabe zu konzentrieren. Wenn Sie etwas erst lernen müssen, warum nicht gleich das Richtige?
Im zeitlichen Ablauf ist nicht viel Unterschied, im Ergebnis aber ist das “Erste-Hilfe-Programm” die schlechtere Wahl, es sei denn, dass Sie sich für den Rest Ihres Lebens mit Ablenkung beschäftigen wollen.
Zusätzlich zu diesen Ablenkungsprogramm habe ich z.B. in einer Page gelesen, dass man versuchen sollte, sich über die Angst lächerlich zu machen. Hier wird der Rat gegeben, sich folgendes zu sagen: “Na und, dann sterbe ich jetzt einfach. (am besten gleich 10 x hintereinander) oder - Jawohl, jetzt kippe ich hier mitten auf der Straße um. Genau so mache ich es”. Diese Vorgehensweise halte ich für sehr gefährlich, denn Sie suggerieren sich damit etwas sehr negatives, das sich irgendwann, wenn es ins Unterbewusstsein, als Glaubenssatz, übergegangen ist eintreffen kann. Für den Paniker, der sowieso alles von der negativen Seite sieht, ist es kein Problem an das selbst suggerierte zu glauben. Davon geht eine große Gefahr aus, deshalb:
“lassen Sie die Finger von solchen Methoden”
Solche Methoden sind allenfalls dazu angetan, dass Sie mit der Zeit ein weiteres Angstproblem bekommen, welches Sie sich selber suggerieren. Wenn Sie sich nach meiner auf dieser Seite beschriebenen Methode richten und intensiv daran arbeiten, dann könnte man es auch als Ablenkung betrachten, nur dass Sie sich dabei positives suggerieren, das ebenfalls mit der Zeit seine Wirkung entfalten wird.
Ein Mensch der allen ernstes von sich behauptet, dass er noch nie “Angst” gehabt hat, der lügt. Die Angst übernimmt bereits im Kleinkindalter eine wichtige Rolle. Babys sind noch unerfahren. Sie müssen alles erst lernen und ihre Erfahrungen sammeln. Wer oder was behütet sie, bei ihren Erkundungsdrang, wenn wir die Eltern einmal ausklammern. Beobachten Sie einmal das Verhalten eines Babys, wenn es zu krabbeln beginnt. Die aller ersten Versuche sind sehr zögerlich und es wird im laufe der Zeit immer sicherer. Das gleiche Verhalten können Sie beim “Gehenlernen” beobachten. Hier spielen zwei Dinge eine Rolle.
Sie können es noch nicht und müssen es mit allen dazu gehörenden Dingen erst lernen.
Sie können die Situation noch nicht einschätzen (fehlende Erfahrung) und automatisch kommt eine gewisse Angst dazu, die sie bremst. Mit zunehmender Sicherheit verschwindet diese Angst.
Wenn ein Kleinkind, das erste Mal auf eine Treppe zugeht, dann können Sie dieses zögernde, ängstliche Verhalten ebenfalls beobachten. Die angeborene Angst lässt das Kind ganz behutsam an die unbekannte Sache herangehen. Dieses Verhalten können Sie auch bei den Erwachsenen beobachten, wenn etwas neues auf sie zukommt. Erst das Erkennen, dass nichts passiert, lässt die Angst schwinden. Sollte doch etwas passieren, so gehen wir beim nächsten Versuch noch vorsichtiger an die Sache heran.
Für die Entwicklung des Menschen sind diese ersten “ängstlichen” Versuche von entscheidender Bedeutung, denn als zusätzlicher Faktor kommt noch das Unterbewusstsein dazu, welches alles speichert.. Jede erlebte Situation wo etwas schief gegangen ist steigt in unserem Inneren sofort hoch, wenn wir in eine ähnliche Situation kommen. Je mehr einem Menschen im laufe des Lebens passiert ist, um so mehr zusammenhänge kann das Unterbewusstsein herstellen, und um so öfter kommt die Angst. Menschen dagegen, denen nichts oder nur wenig passiert, schläfern ihr natürliches Angstgefühl ein und das Unterbewusstsein kann diesbezüglich auch keine Erfahrungen sammeln.
Dabei ist es nun eine ganz natürliche Reaktion, dass sich bei der ersten Gruppe eine übersteigerte “Angstproblematik” entwickelt, während sie bei der zweiten Gruppe zu verkümmern scheint. Anhand dieser Schilderung können Sie sich selber ausrechnen, wo das Problem der Angst ihre Wurzeln hat.
Der Umgang des Menschen trägt dann noch das seine dazu bei. Wer z.B. sehr ängstliche Eltern hat, der übernimmt fast automatisch deren Verhalten und somit auch deren Ängste. Wer sich andauernd mit irgendwelchen Ängsten beschäftigen muss, der zieht angsteinflößende Situationen geradezu “magnetisch” an. Aufgrund der schlechten Erfahrungen die er sammelt, kann er gar nicht anders - Er sucht immer erst das Angsteinflößende und er findet es auch.
Durch diese Entwicklung eines Menschen gibt es natürlich unzählige Situationen, die das Unterbewusstsein mit Angst in Verbindung bringen kann. Es ist oftmals schon ausreichend, an etwas zu denken wo das Unterbewusstsein einen Zusammenhang zu einer früheren Situation herstellen kann, um eine Angst aufsteigen zu lassen. Ein Mensch, der diese Zusammenhänge nicht kennt, spricht dann von einer unbegründeten Angst. In meinen Augen gibt es keine unbegründete Angst. Für jede Angst gibt es einen Auslöser. Da dieser Auslöser auch im Unterbewusstsein liegen kann, können wir ihn “bewusst” nicht erkennen. Es kommt dann mit der Zeit unweigerlich dazu, dass wir eine “Angst vor der Angst” entwickeln, was dann wiederum zu den gefürchteten Panikattacken führen wird.
Es ist ganz logisch, dass diese Ängste zu Bausteinen für eine Depression werden. Ich persönlich neige sogar dazu zu sagen: Eine Depression ohne Ängste gibt es nicht, und Ängste ohne Depression ebenfalls nicht. Wenn wir dazu dann noch die Auslöser der Panikstörung mit den Auslösern der Depression vergleichen können wir eine gewisse Übereinstimmung feststellen, die für mich keine Trennung zwischen Angstkrankheiten und Depressionen zulassen, auch wenn es in medizinischer Sichtweise getrennt wird.
Erstellt: 30. April 2005 © Horst Voll
Aktualisiert: 18. Mai 2005
    
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